Der Mann das Oberhaupt der Frau - ein Übersetzungsfehler?
Verfasst: Montag 5. Juni 2006, 21:01
Ich hab das folgende gefunden, fand es sehr interessant, und wollte es mal zur Diskussion stellen:
Die Erschaffung des Menschen in Genesis 2Der Autor verwendet ein hebräisches Wortspiel mit den Ausdrücken für Ackerboden adamah und Mensch adam. Menschen bestehen sowohl aus Materie als auch aus Geist, sie sind in der Erde verwurzelt, während ihr Ursprung aus Gottes Lebensatem kommt. Obwohl das menschliche Wesen noch kein Geschlecht hat, wird es im Deutschen DER Mensch.Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Erde vom Ackerboden
und blies in seine Nase den Lebensatem.
So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen.
Genesis 2,7
Das Hebräische verwendet für 'er' und 'es' das gleiche Vokabel. Vgl. F.FERDER and J.HEAGLE, Partnership, Notre Dame 1989, pp. 31-46.
Zur Übersetzung der folgenden Passagen ist der ursprüngliche Hebräische Text zu berücksichtigen.Die 'Hilfe, die ihm entspricht' ist kein Assistent, kein Helfer zweiter Klasse. Das Hebräische Wort ezer bezeichnet einen gleichberechtigten Partner. In der Bibel wird Gott öfter als unser ezer bezeichnet (Hosea 13,9; Psalm 33,20; 70,6; 115,9; 146,5; Exodus 18,4). Die gleichberechtigte Partnerschaft erhellt auch aus der Unmöglichkeit im Tierreich eine 'Hilfe, die ihm entspricht' zu finden.Dann Sprach Gott, der Herr: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt.
Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht.
Gott, der Herr, formte aus dem Ackerboden alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels und führte sie dem Menschen zu, um zu sehen, wie er sie benennen würde. Und wie der Mensch jedes lebendige Wesen benannte, so sollte es heissen. Der Mensch gab Namen allem Vieh, den Vögeln des Himmels und allen Tieren des Feldes. Aber eine Hilfe, die dem Menschen entsprach, fand er nicht.Im Hebräischen (wie in anderen Sprachen) haben die Ausdrücke für Mann und Frau Ähnlichkeiten. (isch ... ischah, man ... wo-man)So ließ Gott, der Herr, einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen,
so dass er einschlief, nahm eine seiner Rippen und verschloss ihre Stelle mit Fleisch.
Gott, der Herr, baute aus der Rippe,
die er vom Menschen genommen hatte,
eine Frau und führte sie dem Menschen zu.
Und der Mensch sprach:
Das endlich ist Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch.
Frau soll sie heißen, denn vom Mann ist sie genommen.
Darum verlässt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an seine Frau und sie werden (wieder) ein Fleisch. (Genesis 2,18-24)
In dieser Passage beschreibt der Verfasser eine wunderbare Metamorphose. Auch an anderen Stellen wird beschrieben, wie Gott an den Menschen handelte, während sie tief schliefen. Gott schloss mit Abraham seinen Bund während dieser schlief (Genesis 15,12-21). Andere sahen Visionen von Gott, währen sie träumten oder einer Ohnmacht nahe waren (Job 4,13; 33,15; Daniel 8,18; 10,9).
In diesem Fall, während er schlief, teilte Gott Adam in zwei gleichwertige Teile. Diese Deutung des Textes folgt aus der korrekten Übersetzung des Vokabels tsêlao. Tsêlao bedeutet nicht "Rippe" sondern "Seite" wie in:
• die Seite eines Berges (2 Samuel 16,13);
• die Seite des Tabernakels (Exodus 26,20-35);
• die Seiten des Altars (Exodus 27,7);
• die Seiten der Türflügel (1 Könige 6,34);
• der Anbau des Tempelgebäudes (Ezechiel 41,5-26).
Tatsächlich wird das Wort tsêlao nirgends sonst in der Bibel mit "Rippe" übersetzt.
Weitere Abhandlungen: L.ARNALDICH, ‘La Creacion de Eva’, Sacra Pagina 1 (1959) pp. 346-357; J.J.O’ROURKE, ‘Early and Modern Theologians and Eve’s Formation from Adam’, Sciences Ecclésiastiques13 (1961) pp. 427-435; J.DE FRAINE, Genesis, Roermond 1963, pp. 50-51; Ph.TRIBLE, ‘Eve and Adam: Genesis 2-3’, in Womanspirit Rising, New York 1979, pp. 74-83.